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Rote Karte für die FIFA 2014 – der Kampf um die Einhaltung von Menschenrechtsstandards geht in die Verlängerung!

Europäisch-brasilianische Auswahl zeigt in Zürich der FIFA Rote Karte für Menschenrechtsverletzungen bei der WM 2014

Zürich/Wien 22.10.2014, Am heutigen 22. Oktober, knapp vor dem Start der FIFA Kommission für Fair Play und soziale Verantwortung um 14.00 Uhr, versammelte sich vor dem Headquarter der FIFA in Zürich eine brasilianisch-österreichisch-schweizerische Auswahl von Aktivist_innen. Eine Schiedsrichterin von „Nosso Jogo – Initiative für globales FairPlay“ zeigte der FIFA bei dem Medientermin die überdimensionale Rote Karte für Menschenrechtsverletzungen und übergab über 7.000 Unterschriften der Petition „Für bindende Menschenrechtsstandards bei sportlichen Großereignissen“ symbolisch auf einer großen Schiedsrichterpfeife. „Die FIFA nahm die Petition nicht offiziell entgegen, es kam aber zu einem gemeinsamen Gesprächstermin über die Anliegen der Petition“, erklärte die Schiedsrichterin und Pressesprecherin von Nosso Jogo, Christine Esterbauer, nach der Aktion.

Die Fußball WM 2014 ist Geschichte. Der Fußballzirkus zieht weiter. Die nächsten Austragungsorte Russland 2018, wo kritische zivilgesellschaftliche Organisationen unter Druck gesetzt werden, und Katar 2022, wo Gastarbeiter_innen wie moderne Sklav_innen gehalten werden, zeigen die Dringlichkeit, dass die Vergabe und Umsetzung von Sport-Mega-Events im Einklang mit nationalen Verfassungen und mit Menschenrechten allgemein zu erfolgen haben. „Die FIFA muss sich zu verbindlichen Menschenrechtsstandards bekennen“, fordern über 7.000 Unterzeichner_innen der Petition für bindende Menschenrechtsstandards bei sportlichen Großereignissen.

Schon die Vorbereitungen für die WM 2014 in Brasilien waren überschattet von Menschenrechtsverletzungen, Zwangsräumungen, gebrochenen Versprechen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Noch kurz vor WM-Anpfiff stand die FIFA wegen Korruptionsvorwürfen und Profitgier in der Kritik. Tausende Brasilianer_innen gingen auf die Straßen, um gegen die überdimensionalen Investitionen von 11 Mrd. US$ für die WM zu protestieren, die im Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen besser aufgehoben wären.

Brasilien hat die WM nicht nur auf dem Rasen verloren: Für Zigtausende hat die WM ein trauriges Nachspiel. Viele der 170.000 zwangsumsiedelten Menschen warten noch auf Entschädigungszahlungen. Das „Erbe“, das die teuerste WM aller Zeiten in Form riesiger Löcher in die öffentlichen Haushalte gerissen hat, werden die Brasilianer_innen noch lange zu spüren bekommen.

Argemiro Ferreira de Almeida vom nationalen Dachverband der Bürgerkomitees rund um die WM in Brasilien schrieb in einer ersten Reaktion nach dem Schlusspfiff: „So wie das brasilianische Team gescheitert ist, war diese WM von Anfang an schlecht konzipiert und fatal durchgeführt. Sie baute auf großer Ungleichheit auf, ständig wurden grundlegende Menschenrechte verletzt – wie das Recht auf gute Ausbildung, Gesundheit, eine angemessene Unterkunft und vieles mehr.“

Dass während der WM die Proteste nicht eskaliert sind, ist auch eine Folge von Repression. Selbst die Fernsehübertragungen wurden zensiert, sodass Protestaktionen für die Fernsehzuschauer_innen nicht sichtbar waren. Die Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen müssen horrend gewesen sein.

Sportliche Wettkämpfe stehen für Fairness, klare Regeln und den positiven, freundschaftlichen Umgang der Wettbewerbsteilnehmer_innen miteinander. „Die Regeln, die bei den Spielen gelten, müssen auch im Vorfeld und im Umfeld der Spielorte eine Selbstverständlichkeit sein. Internationale Wettkämpfe dürfen nicht zu Zwangsumsiedlungen, Ausbeutung, Diskriminierung und Gewalt führen, fordern die Unterzeichner_innen der Petition. Darum wird der FIFA bei der Überreichung der Unterschriften heute die Rote Karte für schwere Fouls an den Menschenrechten gezeigt“, erklärte die Schiedsrichterin und Pressesprecherin von Nosso Jogo anläßlich der heutigen Medienaktion.

Die österreichisch-schweizerisch-brasilianische Auswahl bestehend aus den Organisationen Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Südwind und FairPlay-VIDC, dem brasilianischen Gewerkschaftsbund UGT und der schweizerischen NGO Solidar Suisse versammelte sich am heutigen 22. Oktober knapp vor dem Start der FIFA Kommission für Fair Play und soziale Verantwortung um 14.00 Uhr vor dem Headquarter der FIFA in Zürich. „Über 7.000 UnterzeichnerInnen der Petition allein aus Österreich fordern von der FIFA verbindliche Menschenrechtsstandards ein“ sagte Martin Kainz (FairPlay-VIDC), Koordinator von Nosso Jogo, portugiesisch für „Unser Spiel“.

Nilson Duarte Costa, Präsident des brasilianischen Gewerkschaftsbunds UGT in Rio de Janeiro und Vorsitzender der Bauarbeitergewerkschaft von Rio, deren Mitglieder unter anderem das berühmte Maracanã Stadion umgebaut haben, strich auch die positiven Aspekte der WM für Brasilien und die Arbeitnehmer_innen heraus, forderte aber: „Wir brauchen klare arbeitsrechtliche und menschenrechtliche Mindeststandards bei Sportgroßereignissen wie der Weltmeisterschaft – sonst verlieren am Ende immer die Arbeiter_innen.“

„Die FIFA nahm die Petition nicht offiziell entgegen, es kam aber zu einem gemeinsamen Gesprächstermin über die Anliegen der Petition“, erklärte die Schiedsrichterin und Pressesprecherin von Nosso Jogo Christine Esterbauer nach der Aktion.

Morgen am 23.10.2014 um 10.00 Uhr wird dem IOC die Gelbe Karte gezeigt und die Nosso Jogo Petition in Lausanne übergeben, um es daran zu erinnern Menschenrechte auch bei der Austragung der Olympischen Spiele in Rio 2016 einzuhalten.

Rückfragehinweis:

Nosso Jogo Pressesprecherin:
Christine Esterbauer (vor Ort in der Schweiz): +43 650 523 35 28
Christina Schröder (Büro Wien): +43 1 405 55 15 – 301, e-mail. christina.schroeder@suedwind.at
www.nossojogo.at/presse/

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