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Internationales Olympisches Komitee bekommt gelbe Karte als Warnung für Rio 2016

Petition an IOC: Kein Mensch darf unter den olympischen Spielen leiden.

Lausanne/Wien, 23.10.2014, Nachdem gestern eine Rote Karte für die Menschenrechtsverletzungen bei der WM 2014 an die FIFA vergeben wurde, versammelten sich heute brasilianische, österreichische und schweizerische Aktivist_innen mit fünf verbeulten Ringen und einer überdimensionalen Gelben Karte vor einem Treffen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne. Eine Schiedsrichterin von „Nosso Jogo – Initiative für globales FairPlay“ zeigte bei dem Medientermin dem IOC die überdimensionale Gelbe Karte und über 7.000 Unterschriften der Petition „Für bindende Menschenrechtsstandards bei Sportgroßereignissen“ symbolisch auf einer großen Schiedsrichterpfeife. „Wir konnten unsere Forderungen einem Vertreter des IOC übergeben.“, erklärte die Schiedsrichterin und Pressesprecherin von Nosso Jogo, Christine Esterbauer, nach der Aktion.

In Rio de Janeiro, dem Austragungsort der Olympischen Spiele 2016, kämpft die Favela „Vila Autodromo“ gegen die Räumung. Sie befindet sich neben dem Gebiet, das für die ausufernde Infrastruktur des olympischen Parks vorbereitet wird. „Als wir hierher kamen, hatten wir nichts. Wir haben mit unseren eigenen Händen diese Häuser aufgebaut, ohne dass uns jemand geholfen hat, ohne Unterstützung der Regierung, der Region, der Stadt, nichts.“ erinnert sich Terezinha Martins, eine Bewohnerin der Favela Vila Autodromo. „Wir leiden unter dem Druck, unter dem wir gerade stehen. Ich habe mein Haus nicht dafür gebaut, dass es jetzt, wo es fertig ist, abgerissen wird, sondern um mit meiner Familie darin zu wohnen.“

Sportliche Wettkämpfe stehen für Fairness, klare Regeln und den positiven, freundschaftlichen Umgang der Wettbewerbsteilnehmer_innen miteinander. Die Regeln, die innerhalb der Austragungsstätten gelten, sollten auch im Vorfeld und im Umfeld der Spielorte eine Selbstverständlichkeit sein. Internationale Wettkämpfe dürfen keine Plattform für Zwangsumsiedlungen, Ausbeutung, Diskriminierung und Gewalt bieten. Das fordern die Unterzeichner_innen der heute übergebenen Petition von Nosso Jogo.

„Durch die WM wurden leider viele Menschenrechte verletzt. Kein Mensch darf unter den Olympischen Spielen leiden, daher fordern wir bindende Menschenrechtsstandards bei Sportgroßereignissen“, sagte Martin Kainz (FairPlay-VIDC), Koordinator von Nosso Jogo, portugiesisch für „Unser Spiel“.

Deshalb versammelten sich heute, am 23.10.2014, anlässlich des Treffens des Direktoriums (Executive Board) des IOC brasilianische, österreichische und schweizerische Aktivist_innen der Organisationen Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (DKA), Südwind und FairPlay-VIDC, des brasilianischen Gewerkschaftsbundes UGT und der schweizerischen NGO Solidar Suisse mit 5 verbeulten Ringen und einer überdimensionalen Gelben Karte vor dem IOC in Lausanne. Eine Schiedsrichterin von „Nosso Jogo – Initiative für globales FairPlay“ zeigte bei dem Medientermin dem IOC die Gelbe Karte und über 7.000 Unterschriften der Petition „Für bindende Menschenrechtsstandards bei Sportgroßereignissen“ symbolisch auf einer großen Schiedsrichterpfeife.

„Wir können nicht zusehen, wie sich die Schicksale der Menschen wiederholen“, appelliert Martin Krenn von der DKA, an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach. „Die Vorbereitungen für die WM 2014 in Brasilien waren überschattet von Menschenrechtsverletzungen, Vertreibungen und Ausbeutung. Die Kameras und Fernsehteams sind nach der Fußball-WM weitergezogen. Die Räumungsfahrzeuge bleiben jedoch für Olympia, die Vertreibungen gehen weiter. jetzt werden den olympischen Ringen tausende Häuser von armen Familien und ihren Kindern geopfert“, so Krenn weiter.

Nilson Duarte Costa, Präsident des brasilianischen Gewerkschaftsbunds UGT in Rio de Janeiro und Vorsitzender der Bauarbeitergewerkschaft von Rio, deren Mitglieder unter anderem das berühmte Maracanã-Stadion umgebaut haben, strich auch die positiven Aspekte der Olympischen Spiele für Rio de Janeiro und die Arbeitnehmer_innen heraus, forderte aber: „Wir brauchen klare arbeitsrechtliche und menschenrechtliche Mindeststandards bei Sportgroßereignisse wie den Olympischen Spielen – sonst verlieren am Ende immer das austragende Land und die Arbeiter_innen.“

„Das Olympische Komitee kann nicht so tun, als ob es sie nichts anginge, wenn tausende Menschen wegen sportlicher Großevents ihre Häuser verlieren. Wenn unter dem Symbol der fünf Ringe Menschenrechte verletzt werden, ist dies auch die Verantwortung des IOC“, sagte Christine Esterbauer, Schiedsrichterin bei der Aktion und Pressesprecherin von Nosso Jogo, gegenüber den Medien. „Noch ist es Zeit einzuschreiten, um den Ungerechtigkeiten, mit denen sich die Menschen in Brasilien derzeit auseinandersetzen müssen, ein Ende zu bereiten. Daran wollen wir das IOC erinnern. Als symbolisches Zeichen dafür zeigen wir dem IOC die Gelbe Karte, damit keine weiteren Fouls mehr an Menschenrechten begangen werden“, so Esterbauer weiter.

„Die Fehler der WM dürfen nicht wiederholt werden. Die Folgen für die Bevölkerung wären fatal. Als gemeinnützige Vereine dürfen sich internationale Sportverbände nicht über nationale Verfassungen stellen und den Gastgeberländern ihre Konditionen diktieren. Es braucht die Einhaltung nationaler Gesetzgebungen und Vergaberichtlinien mit Nachhaltigkeitsklauseln und eine Nachhaltigkeitscharta bei der Durchführung, damit Olympische Spiele keinem Menschen schaden. Kein Mensch darf unter Olympia leiden, das Olympische Komitee wird hier unter scharfer Beobachtung stehen“, formulierte Stefan Grasgruber-Kerl, von der mitveranstaltenden österreichischen NGO Südwind, die konkreten Forderungen an das IOC.

„Wir konnten unsere Forderungen einem Vertreter des IOC übergeben.“, erklärte die Schiedsrichterin und Pressesprecherin von Nosso Jogo, Christine Esterbauer, nach der Aktion.

Rückfragehinweis:

Nosso Jogo Pressesprecherin:
Christine Esterbauer (vor Ort in der Schweiz): +43 650 523 35 28
Christina Schröder (Büro Wien): +43 1 405 55 15 – 301, e-mail. christina.schroeder@suedwind.at
www.nossojogo.at/presse/

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Nosso Jogo zeigt IOC die gelbe Karte 1

(c) Christian Brun

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Bei den Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen kam zu Zwangsvertreibungen

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Nosso Jogo zeigt IOC die gelbe Karte 2

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Nosso Jogo zeigt IOC die gelbe Karte 3

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Nosso Jogo zeigt IOC die gelbe Karte 4

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Zeichnungen von Kindern aus Rio für das IOC

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Petitionsübergabe an Vertreter des IOC 1

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Petitionsübergabe an Vertreter des IOC 2

(c) Christian Brun

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