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Nosso Jogo und Partner-NGOs präsentieren IOC Menschenrechtsbilanz der Olympischen Spiele in Rio

Nach dramatischen Menschenrechtsverletzungen bei den Spielen in Rio forderten Vertreter_innen von Nosso Jogo gemeinsam mit Netzwerkpartner_innen Amnesty International und Terre des Hommes am 29.9.2016 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geänderte Vergaberichtlinien.

Niemand darf durch Sportgroßereignisse zu Schaden kommen! Olympische Spiele dürfen keine Menschenrechte verletzen – das muss die Lehre aus Rio sein. Mit diesen Forderungen klopften am 29. September 2016 in Lausanne Vertreterinnen von „Nosso Jogo“ gemeinsam mit Aktivistinnen von Amnesty International und Terre des Hommes an die Tür von Philip French, dem IOC-Direktor für öffentliche Angelegenheiten und soziale Entwicklung.

Die Forderung nach Menschenrechtsstandards bei Sportevents fand in Österreich breite Unterstützung. Über 13.000 Menschen drückten mit ihrer Unterschrift der Petition „Keine Menschenrechtsverletzungen im Rahmen von Olympischen Spielen“ oder durch gesammelte Solidaritätskilometer im Rahmen der Aktion „Menschenrechte sind Olympisch“ ihre Unterstützung für die Forderung nach Olympischen Spielen ohne Menschenrechtsverletzungen aus.

„Sport-Fans in ganz Österreich wünschen sich Olympische Spiele, die nicht nur optimale Bedingungen für Sportlerinnen und Sportler bieten, sondern auch die Nöte und Sorgen der lokale Bevölkerung berücksichtigen“, zeigte sich Michaela Königshofer von Südwind bei der Übergabe der Petition in Lausanne überzeugt.

Nach Berichten von Amnesty International wurden während der Olympischen Spielen in Rio mindestens acht Personen von der Polizei getötet. Die enormen öffentlichen Ausgaben führten zu dramatischen Engpässen im Bildungs- und Gesundheitsbudget. Seit 2009 wurden allein in Rio de Janeiro 22.000 Familien zwangsumgesiedelt.

Eine Betroffene war Maria da Penha. Im Frühling 2016 wurde sie als eine der letzten Bewohner/innen der Favela Vila Autódromo wegen des Baus des Olympiaparks aus ihrem Haus vertrieben. Sie stand nach jahrelangem Kampf auf der Straße. Im Juni berichtete sie auf Einladung von Nosso Jogo in Genf dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen ihr Schicksal. „Anfang August bekam Maria da Penha – gemeinsam mit 19 anderen vertriebenen Familien aus der Vila Autódromo – von der Stadtverwaltung in Rio die Schlüssel für ein neues Heim. Ihr Albtraum hatte ein Ende – auch dank der Unterstützung aus Österreich“, war Ute Mayrhofer von der Dreikönigsaktion überzeugt.

Beim Treffen mit dem IOC wurden die Erhebungen von Kinder-und Menschenrechtsverletzungen während Rio 2016 dargelegt. Das IOC sagte zu, aus den Erfahrungen von Rio zu lernen und evaluiert im Moment, welche von der Zivilgesellschaft formulierten Empfehlungen bei zukünftigen olympischen Spielen umgesetzt werden können. Zusätzlich plant das IOC, mehr Ressourcen in den Bereich Menschenrechte zu investieren.

„Bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2024 und der Winterspiele 2026 sind noch weitreichende Veränderungen möglich. Und auch bestehende Verträge zwischen Austragungsorten und dem IOC sind der regelmäßigen Revision unterworfen. Wir hoffen, dass unsere Berichte und der öffentliche Druck das IOC aufgerüttelt haben, und bei der Revision der Verträge erste Vorschläge eingearbeitet werden”, erklärte Kurt Wachter von Nosso Jogo.