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Handbuch zu Menschenrechte und Sportgroßevents im EU-Parlament präsentiert

In Brüssel präsentiert die fairplay Initiative gemeinsam mit der Sport Intergroup des Europäischen Parlaments das Handbuch „Human Rights and Mega-Sport Events“.

Bei der Präsentation debattieren NGO AktivistInnen, EU-Abgeordnete und VertreterInnen von internationalen Sportverbänden im Europäischen Parlament Menschenrechtsangelegenheiten mit Blick auf die FIFA WM 2018 in Russland.
Die öffentliche Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Zuge von Sportgroßveranstaltungen verstärkte sich in den letzten Jahren wesentlich. Vor diesem Hintergrund haben sich am 12 Juli 2017 AktivistInnen, Abgeordnete zum Europäischen Parlament und Sportinstitutionen in Brüssel eingefunden. Thematisiert wurden Menschenrechtsproblematiken im Vorfeld der Fußball-WM 2018 in Russland. Bei der Veranstaltung wurde ein neues Handbuch über Menschenrechte und Sportgroßereignisse präsentiert, das im Rahmen des ERASMUS+ Projektes „Queering Football“ erarbeitet wurde.

Hannu Takkulu, Mitglied der Sport Intergroup des Europäischen Parlaments, unterstrich in seiner Eröffnungsrede den integrativen Aspekt von großen Sportwettkämpfen und sprach davon dass diese „den Frieden fördern und das Verständnis für einander stärken, gleich welcher Herkunft, Kultur, Religion oder sexuellen Orientierung man ist.“ Dennoch kommt es gehäuft zu Menschenrechtsverletzungen in den Gastgeberländern von Sportgroßereignissen. „Menschen werden Opfer von Zwangsvertreibungen. Die Ausbeutung von Bauarbeitern und die Diskriminierung von Minderheiten wie LGBTIQs“ stellen keine Ausnahmen dar. Takkula forderte, dass die EU alles daran setzen müsse, um die Rechte von AthletInnen, BauarbeiterInnen, JournalistInnen und Mitgliedern von Minderheiten zu schützen.

Mit Blick auf die derzeitige Situation in Russland, äußerte sich die Vertreterin des Russischen LGBT Sportverbands, Elvina Yuvakaeva, kritisch über die gegenwärtige Ideologie seitens der Regierung. Diese würde „Panik verbreiten und die Debatte über LGBT Rechte nützen, um den moralischen Verfall des Westens aufzuzeigen.“ Yuvakaeva sieht die Weltmeisterschaft aber auch als Chance, um die Situation zum Besseren zu verändern. Sie betonte:„Man müsste die volle Unterstützung der FIFA und des russischen Fußballverbandes in Sachen Inklusion von LGBTs einfordern. Solche Schritte wären von wesentlicher Bedeutung im Kampf gegen Homophobie.“

Ulrike Lunacek, Vize- Präsidentin des EU-Parlaments und Vorsitzende der LGBTIQ Intergroup, meinte: „Sportveranstaltungen sollten Menschen vereinen und man sollte eigentlich mit Vorfreude und nicht mit Angst daran teilnehmen. Versetzten sie sich in die Lage von homosexuellen SportlerInnen, die an einem Wettkampf in einem Land teilnehmen, wo ihre sexuelle Orientierung nicht akzeptiert wird. Das beeinflusst natürlich auch die sportlichen Leistungen.“ Lunacek richtete einen Appell an das IOC, die Europäischen Olympischen Komitees und FIFA, „bereits in den Vergabeprozess Menschenrechtsstandards und soziale Standards als Auswahlkriterien für die Ausrichtung von Sportgroßereignissen einfließen zu lassen“. Ulrike Lunacek weiter: „Dass es hier Versäumnisse gibt ist klar ersichtlich wenn man bedenkt, dass die nächsten Fußball-Großveranstaltungen in Russland und Katar stattfinden werden.“

Die FIFA, welche regelmäßig im Fadenkreuz der Kritik steht, nahm die Einladung zur Diskussion in Brüssel an und wurde durch Fani Misailidi, Leiterin für öffentliche Angelegenheiten, vertreten. Misailidi räumte ein, dass die FIFA in Sachen Menschenrechte einen Lernprozess durchlaufen musste. Dazu meinte sie: „Ein paar Jahre zuvor hätten wir solche Themen nicht behandelt. Die Sportinstitutionen und Verbände brauchten etwas Zeit, um ihre eigenen Verantwortlichkeiten im Bereich der Förderung und Einhaltung von Menschenrechten während Sportveranstaltungen zu erkennen.“ Mit Hilfe des Harvard Professors John Ruggie wurden im Rahmen der FIFA Human Rights Policy die wesentlichsten Risiken herausgearbeitet. Für Sportgroßveranstaltungen der FIFA „brauche es Standards, welche die FIFA gemäß der ‘UN Guiding Principles on Business and Human Rights’ implementiert.“ Der Fußball-Weltverband ist aktuell dabei, Menschenrechte in die Ausschreibung und Gastgeberverträge zu integrieren.

Beim FIFA Confederations Cup 2017 in Russland fand erstmals ein FIFA Monitoring System zu Identifizierung von Diskriminierung Anwendung, ein Programm das in Kooperation mit dem Netzwerk FARE durchgeführt wurde. Misailidi zog eine positive Bilanz: „Während des FIFA Confederations Cup ergab sich das Bild einer Veranstaltung, die als überwiegend frei von Diskriminierung bezeichnet werden kann. Doch der FIFA sei durchaus bewusst, dass die bevorstehende WM um einiges mehr ZuseherInnen anziehen werde.“

Nikola Staritz von der fairplay Intitiative und Koordinatorin des EU-Projekts „Queering Football“, skizzierte die Situation im Zusammenhang mit Verletzungen von LGBT und ArbeiterInnenrechte und schlug konkrete Maßnahmen vor, um den Problemen in Russland entgegen zu wirken. Zudem stellte sie das Handbuch mit dem Untertitel ‚Human Rights Risks in the Context of Mega-sports Events‘ vor, das Empfehlungen zur Vorbeugung von Menschenrechtsverletzungen im Umfeld von Sportgroßveranstaltungen enthält. Ebenso identifiziert das Handbuch relevante Stakeholder und deren Rolle im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen. Das Handbuch soll den Anstoß für eine konstruktive Debatte mit relevanten AkteurInnen geben. Staritz’s Schlussworte zum Thema: „Wir sind davon überzeugt, dass jeder Akteur und jede Akteurin mehr dazu beitragen und Verantwortung übernehmen kann. Gemeinsam können wir etwas verändern.“

Gastgeber_in der Veranstaltung war die Sport Intergroup des Europäischen Parlaments. Das Event fand im Rahmen des Erasmus+ Sportprojekts „Queering Football – Tackling Homophobia and Promoting Anti-Discrimination around Major Sport Events“, welches durch die Europäische Kommission gefördert wird, sowie des Nosso Jogo Nachfolgeprojektes „Unser Spiel für Menschenrechte“, welches durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit und das österreichische Sportministerium finanziert wird, statt.